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GUNZENHAUSEN/SCHWABACH (mau) – Die Umstellung zur Integrierten Leitstelle (ILS) kommt gut voran. Im September 2011 soll die ILS in Schwabach ihren Dienst aufnehmen. Dann werden Rettungsdienst und Feuerwehr in Weißenburg-Gunzenhausen gleichermaßen von Schwabach aus zu ihren Einsatzorten geschickt. Bislang ist das Verständigen der Feuerwehr noch Aufgabe der Polizeidienststellen in Weißenburg und Gunzenhausen.
Mit der Umstellung gilt für Feuerwehr und Rettungsdienst die einheitliche Notrufnummer 112, was zweifellos eine Vereinfachung darstellt. Außerdem soll die Zeit verkürzt werden, bis die Rettungskräfte am Einsatzort sind, denn bislang landet der Notruf im Regelfall in Nürnberg. Die dortige Polizei verständigt die Kollegen in Weißenburg oder Gunzenhausen und die alarmieren dann die Feuerwehren. Dabei gehen mitunter wertvolle Minuten verloren. Die Umstellung ist eine gesetzliche Vorschrift, die bereits 2002 in Kraft getreten ist. Daran erinnerte Rainer Braun, der Kreisgeschäftsführer beim Roten Kreuz (BRK) Südfranken, in der Sitzung des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) in Schwabach. Braun informierte über den Stand der Dinge in Sachen ILS. Der BRK-Kreisverband, der neben Weißenburg-Gunzenhausen auch den Kreis Roth und die Stadt Schwabach umfasst, hatte im November 2007 den Zuschlag für den Betrieb der ILS vom Zweckverband erhalten. Das ist ein Sonderfall: Der RotKreuz-Landesverband als früherer Platzhirsch betreibt künftig nur noch fünf Rettungsleitstellen in Bayern. Auch für die Region zwischen Schwabach und Langenaltheim sah es so aus, als würde der Zweckverband eine andere Lösung favorisieren. Die RotKreuz-Verantwortlichen reagierten und zogen das Angebot aus München zurück und ersetzten es durch eines vom Kreisverband, der seinen Hauptsitz in Weißenburg hat. Damit gelang es, die Verbandsräte zu überzeugen.
Viel Vorbereitung erforderlich
Als ersten Schritt hat der Kreisverband im August 2008 die Trägerschaft der Schwabacher Rettungsleitstelle übernommen. Seitdem arbeiten Rainer Braun und seine Kollegen mit Hochdruck daran, das ehrgeizige Ziel der Inbetriebnahme im September 2011 Wirklichkeit werden zu lassen. Eine Vorbereitungszeit von fast vier Jahren seit dem Zuschlag klingt zunächst üppig, doch gilt es vor der Umstellung enorm viele Punkte abzuarbeiten.
Beispiel Personal. Die geforderte Qualifikation gibt es auf dem Arbeitsmarkt schlicht nicht. Wie auch, bislang gab es keinen Beruf mit einer derartigen Ausbildung. In Sachen Rettungsdienst ist die Leitstelle naturgemäß gut aufgestellt. Doch im Bereich Feuerwehr gibt es Nachholbedarf. Deshalb laufen seit Monaten die entsprechenden Schulungen für die bislang 15 Disponenten. Im Schnitt muss jeder Disponent hierzu auf Lehrgänge mit einer Gesamtdauer von 30 Wochen gehen, und das nebenher zum normalen Betrieb rund um die Uhr. Das ist eine logistische Herausforderung.
Die zusätzlich erforderlichen sechs Mitarbeiter, die die Umstellung auf die ILS mit sich bringt, hat der Kreisverband inzwischen eingestellt. Sie haben allesamt einen Feuerwehrhintergrund und werden in den nächsten Monaten ihren Dienst antreten, so Braun. Sie brauchen zwar weniger Schulungen im Feuerwehrwesen, dafür müssen sie auf das Niveau eines Rettungssanitäters oder eines Rettungsassistenten gebracht werden. Immerhin: Von den notwendigen Qualifikationen sind bis Jahresende bereits 62 Prozent erfolgt, hat Braun errechnet. Damit liegt der BRK-Verband bestens in der Zeit.
Parallel zur Qualifikation der Mitarbeiter laufen viele weitere Maßnahmen. Die Feuerwehren und die anderen Hilfsdienste wie THW oder DLRG müssen eine komplette Strukturdatenerhebung machen. Die Disponenten in der künftigen ILS müssen genau wissen, welche Wehr über welche Ausstattung verfügt, oder ob in einer Dorfwehr tagsüber genug Floriansjünger verfügbar sind. Braun: «Das ist die Grundlage für die Alarmierungsplanung.»
127 Wehren im Kreisgebiet
Die Erhebung der Daten müssen die Freiwilligen Feuerwehren ehrenamtlich absolvieren. Allein in Weißenburg-Gunzenhausen gibt es 127 Wehren. Die angesetzten 15 Monate sind somit knapp bemessen. Gibt es die Daten in Papierform, müssen sie noch ins System eingepflegt werden. Und dabei gilt: Jeder Tippfehler kann später über Leben und Tod entscheiden. Also braucht es Fachpersonal, das schon beim Eingeben Plausibilitätsfehler bemerkt. Der BRK-Kreisverband hat dazu in Schwabach ein Projektbüro geschaffen.
Vor dem ILS-Start muss die Rettungsleitstelle noch ausgebaut werden. 500 statt der bisherigen 200 Quadratmeter sind erforderlich. Der Kreisverband hat sein Raumprogramm mit der für ganz Bayern zuständigen Regierung von Schwaben abgestimmt. Die Beamten haben dem Roten Kreuz die Maximalförderung bereits in Aussicht gestellt. Aus dem jetzigen Rettungsleitstellen-Gebäude in der Weißenburger Straße in Schwabach wird die Rot-Kreuz-Rettungswache ausziehen. Dennoch reicht der Platz dann noch nicht. Die beiden Obergeschosse bekommen deshalb einen Anbau.
Im Mai 2010 soll die bisherige Rettungsleitstelle in Container umziehen, die im Hof stehen werden. 15 Monate lang werden die Disponenten dann von dort aus ihre Arbeit verrichten. Braun: «Wir können ja nicht sagen, jetzt machen wir mal zu.» Nach einem mehrwöchigen Parallelbetrieb folgt dann im September 2011 das Umlegen des Schalters und damit die Inbetriebnahme der ILS.
Gesamtkosten von 3,6 Millionen Euro
Der BRK-Kreisverband investiert in die Umstellung etwa 3,6 Millionen Euro. Geschäftsführer Rainer Braun rechnet mit rund zwei Millionen Euro Zuschüssen vom Freistaat Bayern. Gut eine Million muss der Kreisverband aufbringen. Außerdem beteiligen sich die Krankenkassen und der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung. Diese müssen später auch für die Betriebskosten der ILS aufkommen. Braun geht bei den aktuellen Vorgaben davon aus, dass die Kassen gut eine Million Euro übernehmen, an den Zweckverbandsmitgliedern bleiben rund 350?000 Euro hängen. Für Weißenburg-Gunzenhausen sind das immerhin 127?000 Euro, hat der BRK-Geschäftsführer ausgerechnet.
Altmühlbote Online am 14.12.2009 |